Das beste Motorrad für Anfänger ist leicht, niedrig genug für sicheren Bodenkontakt und gutmütig in der Leistung – nicht das mit den meisten PS. Für die überwiegende Mehrheit der Einsteiger führt der Weg zu einem mittelgroßen Naked Bike in der A2-Klasse (bis 48 PS) oder, wer ab 16 oder mit dem Autoführerschein starten will, zu einer 125er. Dieser Ratgeber zeigt dir, woran du ein gutes Einsteigermotorrad erkennst, welche konkreten Modelle sich bewährt haben und was der Spaß am Anfang wirklich kostet.
Was macht ein gutes Anfängermotorrad aus?
Ein anfängertaugliches Motorrad verzeiht Fehler. In der Lernphase passieren Umfaller im Stand, hektische Bremsungen und zu weit außen angesetzte Kurven – und genau dann entscheidet nicht die Höchstleistung, sondern wie handlich und beherrschbar die Maschine ist. Fünf Eigenschaften machen den Unterschied:
- Niedriges Gewicht. Als grober Richtwert gilt ein fahrfertiges Gewicht unter rund 180 kg. Ein leichtes Motorrad lässt sich sicher rangieren, aus dem Stand halten und nach einem Umfaller allein wieder aufrichten. Viele einsteigerfreundliche A2-Naked-Bikes wie die Kawasaki Z500 (rund 179 kg) oder die KTM 390 Duke (rund 170 kg) liegen genau in diesem Bereich.
- Passende Sitzhöhe. Du solltest im Stand mit beiden Füßen bis zur Ferse sicheren Bodenkontakt haben. Die meisten Modelle liegen zwischen 75 und 85 cm Sitzhöhe; für kleine Fahrer gibt es deutlich niedrigere Ausnahmen. Welche Sitzhöhe zu deiner Körpergröße passt, zeigt unsere Übersicht.
- Gutmütige Leistungsentfaltung. Ein Motor mit gleichmäßigem Drehmoment (typisch: Einzylinder oder kleiner Paralleltwin) ist berechenbarer als ein nervöser Hochdrehzahl-Motor mit derselben PS-Zahl.
- ABS. Bei allen neuen Motorrädern über 125 cm³ – also der gesamten A2-Klasse – ist ABS in der EU Pflicht. Eine Traktionskontrolle ist ein sinnvolles Plus, aber kein Muss.
- Aufrechte Sitzposition. Sie gibt Übersicht und Kontrolle und belastet Handgelenke und Rücken weniger als eine gestreckte Sportposition.
Welches dieser Kriterien für dich am schwersten wiegt, hängt von Körpergröße, Einsatzzweck und Erfahrung ab. Wenn du die Auswahl systematisch von der Führerscheinklasse über den Einsatzzweck bis zur Ergonomie eingrenzen willst, hilft dir unser ausführlicher Wegweiser welches Motorrad passt zu mir – dieser Artikel hier konzentriert sich auf das, was speziell für Einsteiger zählt.
Welche Führerscheinklasse brauchst du als Einsteiger?
Der Führerschein grenzt die Auswahl am härtesten ein – deshalb steht er am Anfang. Für Fahranfänger sind vier Wege relevant:
- A1 (ab 16): Leichtkrafträder bis 125 cm³ und 11 kW (15 PS), Leistungsgewicht höchstens 0,1 kW/kg. EU-weit gültig und die klassische Vorstufe zu A2 und A.
- B196 (ab 25): Erweiterung des Autoführerscheins (Klasse B). Erlaubt dieselben 125er wie A1, aber ohne Prüfung – nur mit einer Schulung (mindestens vier Theorie- und fünf Praxiseinheiten). Voraussetzung: mindestens fünf Jahre Besitz der Klasse B. Der Haken: B196 gilt nur in Deutschland und lässt sich nicht auf A2 anrechnen.
- A2 (ab 18): Bis 35 kW (47,5 PS) und ein Leistungsgewicht von höchstens 0,2 kW/kg. Direkteinstieg ohne Vorbesitz möglich, EU-weit gültig, mit klarem Aufstiegspfad.
- A direkt (ab 24): Unbegrenzte Leistung. Wer jünger ist, steigt nach zwei Jahren A2 mit einer praktischen Prüfung auf.
Welche konkreten Maschinen die jeweilige Klasse abdeckt, haben wir getrennt aufgeschlüsselt: Motorräder mit A1, Motorräder mit A2 und die 125er-Optionen mit dem Autoführerschein (B196). Was der Führerschein selbst kostet, steht in unserem Überblick zu den Kosten des Motorradführerscheins.
125er oder A2-Motorrad zum Einstieg?
Die häufigste Entscheidung am Anfang lautet: klein und günstig mit einer 125er starten – oder gleich mit der A2-Klasse und voller Alltagstauglichkeit. Beides hat seine Berechtigung.
| Kriterium | 125er (A1 / B196) | A2 |
|---|---|---|
| Ab Alter | 16 (A1) bzw. 25 (B196) | 18 |
| Leistung | 15 PS (11 kW) | bis 48 PS (35 kW) |
| Gültigkeit | EU-weit (A1) / nur Deutschland (B196) | EU-weit |
| Aufstieg | A1 zählt an; B196 ist eine Sackgasse | klarer Weg auf A nach 2 Jahren |
| Ideal für | Stadt, kurzer Arbeitsweg, junger Start | Alltag, Landstraße, Touren |
| Kosten | günstiger (Versicherung, Sprit, Steuer) | etwas höher |
Kurz gesagt: Wer jung ist, überwiegend in der Stadt fährt und wenig ausgeben will, ist mit einer 125er bestens bedient. Wer volljährig ist und auch Landstraße und Autobahn souverän mitschwimmen will, fährt mit einem A2-Motorrad besser – 15 PS werden auf zügigen Strecken schnell knapp.
Ein wichtiger Sonderfall bei A2 ist die Drosselung: Ein gedrosseltes A2-Motorrad darf in seiner ungedrosselten Ausgangsversion höchstens die doppelte Leistung haben, also maximal rund 70 kW (etwa 95 PS). Stärkere Big-Bikes lassen sich seit der Regeländerung nicht mehr auf A2 fahren. Der Vorteil eines drosselbaren Modells: Nach dem Aufstieg auf die offene Klasse A entdrosselst du dieselbe Maschine – du sparst dir also einen zweiten Kauf.
Welcher Motorradtyp passt für Anfänger?
Für die meisten Einsteiger ist das Naked Bike der beste Kompromiss – und das aus gutem Grund: aufrechte, kontrollierte Sitzhaltung, überschaubares Gewicht, niedriger Schwerpunkt und ein gutmütiges Handling in Stadt und Kurve. Nicht zufällig sind die meistempfohlenen A2-Einsteiger (Kawasaki Z500, KTM 390 Duke, Honda CB500 Hornet, Yamaha MT-03) allesamt Nakeds.
Das heißt nicht, dass andere Typen tabu sind. Ein Cruiser mit tiefer Sitzbank (etwa die Honda CMX500 Rebel) ist ideal für kleine Fahrer, und eine leichte Reiseenduro kann für große Fahrer angenehmer sein. Nur die extremen Klassen – vollverkleidete Supersportler mit gestreckter Haltung und schwere Adventure-Bikes über 200 kg – sind als erstes Motorrad selten eine gute Idee. Einen kompletten Überblick über die Bauarten gibt unser Ratgeber zu den Motorradarten.
Konkrete Anfängermotorräder: Modellempfehlungen
Die folgenden Modelle haben sich als Einsteigermaschinen bewährt und sind aktuell erhältlich. Die Angaben sind Orientierungswerte – Ausstattung, Gewicht und Preis unterscheiden sich je nach Baujahr und Markt, deshalb lohnt vor dem Kauf immer der Blick ins konkrete Datenblatt.
125er für A1 und B196
| Modell | Charakter |
|---|---|
| KTM 125 Duke | sportlichste 125er, schöpft die 15-PS-Grenze aus |
| Yamaha MT-125 | ausgewogen und anfängerfreundlich, Anti-Hopping-Kupplung |
| Honda CB125R | gleichmäßige Leistung, sparsam, unkompliziert im Alltag |
Native A2-Einsteiger (ab Werk bis 48 PS)
| Modell | Charakter |
|---|---|
| Kawasaki Z500 | Naked, 48 PS, rund 179 kg – ausgewogener Allrounder |
| KTM 390 Duke | leichtes Naked (rund 170 kg), sehr wendig, stadttauglich |
| Honda CB500-Familie (CB500F, CBR500R, CB500X) | 471-cm³-Paralleltwin, gutmütig und zuverlässig; als Naked, Sportler oder Crossover |
| Yamaha MT-03 / YZF-R3 | 321 cm³, leicht und günstig – gutmütiger Einstieg |
| Triumph Speed 400 | Retro-Naked, rund 40 PS, Sitzhöhe rund 790 mm |
| Honda CMX500 Rebel | Cruiser mit sehr niedriger Sitzhöhe (rund 690 mm) für kleine Fahrer |
Drosselbare A2-Bikes, die mitwachsen
| Modell | Charakter |
|---|---|
| Yamaha MT-07 | beliebter drosselbarer Klassiker, nach dem A-Aufstieg entdrosselbar |
| Honda CB750 Hornet | kräftiger Twin, wächst mit dem Aufstieg auf A mit |
| KTM 790 Duke | sportlich, liegt unter der 70-kW-Grenze und ist damit A2-drosselbar |
Die Faustregel dahinter: Wer klein, günstig und in der Klasse bleiben will, nimmt ein natives A2-Modell. Wer sicher weiß, dass er später auf die offene Klasse aufsteigt, fährt mit einem drosselbaren Bike oft besser – muss aber mit dem Mehrgewicht in der Lernphase leben.
Wie viel PS und Gewicht sind sinnvoll?
Für Einsteiger ist das Gewicht wichtiger als die PS-Zahl. Ein leichtes Motorrad verzeiht Fehler, lässt sich leichter wenden, aufrichten und im Stand halten – und beschleunigt die Lernkurve spürbar. Die entscheidende Frage vor jedem Kauf lautet nicht „Wie schnell ist es?“, sondern „Kann ich diese Maschine allein sicher rangieren und aufrichten?”.
Bei der Leistung sind die 48 PS der A2-Klasse für den Start völlig ausreichend – sie genügen zum zügigen Mitschwimmen auf der Autobahn. Wichtiger als die Maximalleistung ist, wie sie anliegt: Ein Motor, der sein Drehmoment früh und gleichmäßig bereitstellt, ist beherrschbarer als einer, der erst obenraus explodiert. Deshalb sind gutmütige Ein- und Zweizylinder die typischen Einsteigermotoren.
Neu oder gebraucht: Was ist das bessere erste Motorrad?
Für die erste Maschine spricht viel für ein gebrauchtes Motorrad. Es ist deutlich günstiger, und die kleinen Kratzer und Umfaller der Lernphase schmerzen an einem gebrauchten Bike weniger. Der Preisunterschied ist erheblich: Eine Yamaha MT-07 kostet neu rund 8.500 Euro, als gepflegter Gebrauchter (etwa Baujahr 2015 mit 16.000 km) eher um die 4.600 Euro.
Der Preis ist aber nur die halbe Miete – beim Gebrauchtkauf zählt der Zustand. Achte auf Sturzspuren, Flüssigkeitsaustritt sowie den Zustand von Reifen und Kette, und nimm im Zweifel jemanden mit Sachverstand mit. Worauf es bei der Besichtigung im Detail ankommt, zeigt unsere Checkliste für den Gebrauchtkauf. Wer neu kauft, zahlt mehr, bekommt dafür Garantie, aktuelle Technik und ein Bike ohne Vorgeschichte.
Was kostet ein Anfängermotorrad – Anschaffung und Folgekosten?
Der Kaufpreis ist nur ein Teil der Rechnung. Realistisch solltest du mit diesen Posten planen:
- Anschaffung: Native A2-Einsteiger starten neu bei etwa 5.500 bis 6.000 Euro (z. B. Kawasaki Z500 rund 5.999 Euro, Triumph Speed 400 ab rund 5.645 Euro); gebraucht geht es deutlich günstiger. 125er sind neu wie gebraucht die günstigste Option.
- Versicherung: Für 125er zahlen Einsteiger oft nur rund 180 bis 350 Euro im Jahr, für ein A2-Motorrad eher 400 bis 550 Euro – abhängig von Modell, Wohnort und Schadenfreiheitsklasse. Ein großer Spartipp ist die Übertragung einer SF-Klasse aus dem Familienkreis. Wie sich der Beitrag zusammensetzt, erklärt unser Ratgeber zu den Kosten der Motorradversicherung.
- Steuer: meist gering – ein mittleres Motorrad wie die MT-07 kostet rund 51 Euro Steuer im Jahr.
- Laufende Kosten: Über eine Saison mit rund 5.000 km summieren sich Sprit, Reifen, Öl- und Kettenservice sowie TÜV je nach Fahrweise auf grob 1.000 bis 2.400 Euro im Jahr.
- Schutzkleidung: Ein solides Komplettset aus Helm, Jacke, Hose, Handschuhen und Stiefeln liegt bei etwa 500 bis 1.300 Euro – ein Posten, den Einsteiger gern vergessen. Kalkuliere ihn von Anfang an mit ein; worauf es dabei ankommt, steht in unserem Ratgeber zur richtigen Motorradbekleidung.
Einen vollständigen Überblick über alle Kostenblöcke rund ums Motorrad findest du in unserem Artikel Wie viel kostet ein Motorrad.
Die häufigsten Anfängerfehler bei der Motorradwahl
Fast alle typischen Fehlkäufe lassen sich auf einen Nenner bringen – Optik und PS über Passform und Handling stellen:
- Zu schwer oder zu hoch: Wenn du das Motorrad nicht sicher aufrichten kannst oder im Stand nicht gut stehst, wird es zur Belastung statt zum Spaß.
- Zu viel Leistung zum Start: Ein nervöses, starkes Bike überfordert in der Lernphase und bremst den Lernfortschritt.
- Gebrauchtkauf ohne Sachverstand: Laien übersehen versteckte Mängel – lieber eine kundige Begleitung mitnehmen.
- Keine Probefahrt: Erst Sitzprobe und Testfahrt zeigen, ob Sitzposition, Gewicht und Handling wirklich zu dir passen.
- B196 trotz Aufstiegsplänen: Wer später ohnehin A2 machen will, landet mit dem nicht anrechenbaren B196 in einer teuren Sackgasse.
- Schutzkleidung vergessen: Ein knappes Budget, das die Ausrüstung nicht einplant, spart am falschen Ende.
Häufige Fragen (FAQ)
Welches Motorrad ist am besten für Anfänger? Für die meisten Einsteiger ist ein mittelgroßes Naked Bike der A2-Klasse ideal – etwa Kawasaki Z500, KTM 390 Duke, Honda CB500 Hornet oder Yamaha MT-03. Sie sind leicht, gutmütig und aufrecht zu fahren. Wer ab 16 oder mit dem Autoführerschein startet, greift zu einer 125er wie KTM 125 Duke, Yamaha MT-125 oder Honda CB125R.
Wie viel PS sollte ein Anfängermotorrad haben? Für den Einstieg reichen die 48 PS (35 kW) der A2-Klasse völlig aus – mehr braucht am Anfang niemand. In der 125er-Klasse (A1/B196) sind es 15 PS. Wichtiger als die Zahl ist eine gleichmäßige, gutmütige Leistungsentfaltung.
125er oder A2 – womit sollte ich anfangen? Wer jung ist, überwiegend in der Stadt fährt und günstig einsteigen will, ist mit einer 125er gut bedient. Wer volljährig ist und auch Landstraße und Autobahn souverän fahren möchte, startet besser gleich mit A2 – 15 PS werden auf schnelleren Strecken schnell knapp.
Was kostet ein gutes Anfängermotorrad? Native A2-Neumaschinen starten bei rund 5.500 bis 6.000 Euro, gebraucht deutlich günstiger. Dazu kommen Versicherung (rund 180–350 Euro für 125er, 400–550 Euro für A2), Steuer, laufende Kosten und ein Schutzkleidungs-Set ab etwa 500 Euro.
Neu oder gebraucht als Fahranfänger? Für die erste Maschine ist gebraucht meist die klügere Wahl: günstiger und entspannter in der Lernphase, in der Umfaller wahrscheinlich sind. Achte auf Sturzspuren, Reifen-, Ketten- und Flüssigkeitszustand – am besten mit sachkundiger Begleitung.
Lohnt sich ein drosselbares A2-Motorrad? Wenn du sicher weißt, dass du später auf die offene Klasse A aufsteigst, ja: Du entdrosselst dieselbe Maschine und sparst dir einen zweiten Kauf. Die Ausgangsversion darf höchstens rund 95 PS (70 kW) haben. Der Nachteil ist das höhere Gewicht in der Lernphase.
Fazit
Das richtige Anfängermotorrad ist keine Frage des Prestiges, sondern der Beherrschbarkeit: leicht, niedrig genug für sicheren Stand und mit einer gutmütigen, nicht zu starken Leistung. Für die meisten Einsteiger ist ein A2-Naked-Bike wie die Kawasaki Z500, KTM 390 Duke oder Honda CB500 der beste Startpunkt; wer ab 16 oder mit dem Autoführerschein losfahren will, findet in den 125ern von KTM, Yamaha und Honda gute erste Maschinen. Entscheide zuerst über die Führerscheinklasse, dann über Gewicht und Sitzhöhe – und triff die endgültige Wahl nicht im Prospekt, sondern bei einer ehrlichen Sitzprobe und Probefahrt. Dann passt am Ende nicht irgendein Motorrad zu dir, sondern das richtige erste.
Quellen
- Die besten A2-Bikes für Einsteiger – 48-PS-Motorräder – MOTORRAD
- Neue A2-Motorräder 2026 – Modelle, Neuheiten & drosselbare Alternativen – motoin Magazin
- Keine gedrosselten Big-Bikes mehr mit A2-Führerschein – ADAC
- B196-Führerschein – mit dem Autoführerschein 125er fahren – ADAC
- A2-Führerschein – Motorräder ab 35 kW – Bußgeldkatalog.org
- Motorrad – Sitzhöhen aktueller Modelle – ADAC
- Top 10 125er-Motorräder 2026 – 1000PS
- Was kostet dein erstes Motorrad wirklich? – motoin Magazin
- Motorradversicherung für Fahranfänger – Verivox
- Komplette Motorrad-Ausstattungen für unter 1000 Euro – MOTORRAD
- Gebrauchtberatung – günstige Einsteiger-Bikes, die vergessene Klasse – MOTORRAD