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Mit dem Motorrad zum Nordkap: Route, Kosten & Tipps

Einmal mit dem Motorrad zum Nordkap – für viele Tourenfahrer ist das die Reise, die ganz oben auf der Liste steht. Der nördlichste mit dem Fahrzeug erreichbare Punkt Europas liegt gut 5.000 Kilometer von Deutschland entfernt, hinter Fjorden, Polarkreis und der weiten Tundra Lapplands. Wer sich auf den Weg macht, fährt je nach Route und Rückweg rund 6.600 bis 8.000 Kilometer – oft in etwa 15 Etappen, so wie es der bekannte Reisebericht „6.600 km in 15 Etappen“ beschreibt. Dieser Ratgeber bündelt, was in vielen Erfahrungsberichten immer wieder auftaucht: die sinnvollste Route, die beste Reisezeit, die Anreise per Fähre, die realistischen Kosten und die Ausrüstung, die im hohen Norden wirklich zählt.

Voll bepacktes Reisemotorrad auf einer leeren Küstenstraße hoch über einem norwegischen Fjord im arktischen Norden, mit schneebedeckten Bergen und tiefstehender Mitternachtssonne

Die kurze Antwort: Was die Nordkap-Tour ausmacht

Die Motorradtour zum Nordkap ist eine Fernreise von rund 6.600 bis 8.000 Kilometern hin und zurück, die man am besten zwischen Juni und August fährt, für die drei Wochen ideal sind und für die jedes reisetaugliche Motorrad genügt – die Strecke ist durchgehend asphaltiert. Der Weg führt in aller Regel durch Schweden und Finnland nach Norden, über den Polarkreis und Rovaniemi, dann durch die norwegische Finnmark bis Honningsvåg und über die E69 durch den Nordkapptunnel aufs Plateau.

Der Reiz liegt weniger im Ziel selbst – ein windiges, oft neblig-graues Felsplateau mit dem berühmten Globus – als in allem davor: Mitternachtssonne, endlose leere Straßen, Rentiere am Fahrbahnrand, Fjorde und die Serpentinen der norwegischen Klassiker. Wer diese Reise plant, sollte drei Dinge früh klären: wann er fährt, wie er anreist und wie viel Zeit er sich nimmt. Alles Weitere baut darauf auf.

Die Route: 6.600 km in 15 Etappen – oder mehr Zeit lassen

Die klassische Nordkap-Route fährt durch Finnland oder Schweden hinauf und über die norwegische Küste mit den Lofoten zurück – als grobe Rechnung ergeben sich rund 6.600 Kilometer, die sich gut in etwa 15 Tagesetappen aufteilen lassen. Diese Aufteilung stammt aus einem viel gelesenen Reisebericht und bedeutet einen Schnitt von gut 440 Kilometern pro Tag. Das ist machbar, aber sportlich – es ist eher Fahr- als Genusstempo.

In der Praxis nennen erfahrene Fahrer entspanntere Werte: 180 bis 250 Kilometer pro Tag für eine Genusstour, 350 bis 460 Kilometer an ambitionierten Fahrtagen. Wer wirklich etwas sehen will, plant lieber weniger Kilometer und dafür Ruhetage ein.

Bei der Streckenführung gibt es eine klare Empfehlung aus fast allen Erfahrungsberichten: Die schnurgerade Europastraße E6 hinauf ist die schnellste, aber langweiligste Variante – viel Tempo 80, Wohnmobil-Kolonnen und Radarfallen. Schöner sind die Küstenstraßen, allen voran der Kystriksveien (RV17) mit seinen Fährabschnitten. Eine bewährte Dramaturgie: durch das Inland (Finnland/Schweden) zügig hinauf, an der norwegischen Küste über die Lofoten genussvoll zurück. Welcher Maschinentyp grundsätzlich zu dir und deinem Fahrstil passt, klärt vorab unser Ratgeber, welches Motorrad zu dir passt.

Wann losfahren? Mitternachtssonne und die beste Reisezeit

Die beste Reisezeit fürs Nordkap liegt zwischen Anfang Juni und Ende August – nur in diesem Fenster ist mit halbwegs mildem Wetter und offenen Straßen zu rechnen, und die Mitternachtssonne scheint am Nordkap vom 13. Mai bis 29. Juli. In diesen gut 77 Tagen sinkt die Sonne nie unter den Horizont: Man kann theoretisch um Mitternacht bei Tageslicht auf dem Plateau stehen.

Wer zu früh fährt, riskiert Frost, Restschnee und geschlossene Pässe – die Eisdecke auf den Seen Lapplands schmilzt erst im Mai. Am Nordkap-Plateau selbst bleibt es auch im Hochsommer kühl: im Juni etwa 5 bis 12 °C, im Juli rund 8 bis 15 °C.

Innerhalb der Saison gibt es einen echten Zielkonflikt, den man ehrlich abwägen sollte:

  • Anfang Juni: leere Campingplätze, wenige Mücken, volle Mitternachtssonne – aber wechselhafteres, kälteres Wetter.
  • August: oft das stabilste Wetter, dafür mehr Andrang und die Mitternachtssonne ist vorbei.

Eine allgemeingültig „perfekte“ Woche gibt es nicht – das Wetter im Norden bleibt unberechenbar. Plane Puffer für Regentage ein und mache deine Zufriedenheit nicht von einem klaren Blick vom Plateau abhängig.

Anreise nach Skandinavien: Fähre oder Landweg?

Für die Anreise gibt es zwei Grundvarianten: die zeitsparende Fähre direkt nach Skandinavien oder den günstigeren Landweg über Dänemark – die Wahl entscheidet stark über Kosten und Reisedauer. Beliebte Fährverbindungen ab Deutschland sind unter anderem Kiel–Göteborg, Rostock–Trelleborg und die lange, aber sehr nordnahe Route Travemünde–Helsinki (rund 30 Stunden), mit der man einen großen Teil der Anfahrt „verschläft“.

Wer lieber fährt, nimmt den Landweg über die Vogelfluglinie Puttgarden–Rødby und weiter durch Dänemark und Schweden. Das spart Fährgeld, kostet aber zusätzliche Fahrtage.

Für die Grenzen gilt: Norwegen, Schweden und Finnland gehören zum Schengen-Raum – der Personalausweis genügt in aller Regel. Norwegen ist zwar nicht in der EU, über das EWR-Abkommen aber eng angebunden. Fähren im Hochsommer solltest du früh buchen, weil beliebte Termine schnell ausgebucht sind. Weil die Fährkosten ein großer Budgetposten sind, lohnt der Preisvergleich mehrerer Routen.

Der Nordkapptunnel und die letzten Kilometer über die E69

Die letzte Etappe führt über die E69 von Olderfjord nach Honningsvåg und durch den Nordkapptunnel auf die Insel Magerøya – von dort sind es noch rund 30 Kilometer bis zum Plateau. Der Nordkapptunnel ist 6.870 Meter lang und führt bis 212 Meter unter den Meeresspiegel; er hat die frühere Fähre auf die Insel ersetzt.

Zwei gute Nachrichten für Motorradfahrer: Die Tunnelmaut wurde bereits 2012 abgeschafft, die Durchfahrt ist also kostenlos. Und seit einem Gerichtsurteil von 2021 ist das Nordkap-Plateau frei zugänglich – für das Freigelände mit dem berühmten Globus wird kein Eintritt mehr verlangt. Kosten fallen nur noch für die Nordkaphalle an (Museum, Kino, Restaurant): je nach Saison etwa 260 bis 300 norwegische Kronen (rund 22 bis 30 Euro), teils als 48-Stunden-Ticket.

Auf diesen letzten Kilometern wird es rau: Sturmböen und dichter Nebel sind auf Magerøya keine Seltenheit. Rechne damit, dass der große Moment auf dem Plateau windig und grau ausfallen kann – das gehört zum Nordkap dazu.

Das richtige Motorrad und die Ausrüstung für den Norden

Zum Nordkap taugt jedes reisetaugliche Motorrad – die Strecke ist komplett asphaltiert, eine Enduro ist nicht nötig. In Erfahrungsberichten tauchen Reise-Enduros wie die BMW GS ebenso auf wie klassische Tourer, und selbst kleine Hubräume bis hinunter zur 125er sind dokumentiert. Wichtiger als die Klasse ist der Zustand: neuwertige Tourenreifen, einwandfreie Bremsen, eine frisch gewartete Kette und ausreichend Ölreserve. Wann ein Ölwechsel fällig ist, erklärt unser Ratgeber dazu, wie oft ein Ölwechsel beim Motorrad nötig ist – vor einer Fernreise gehört er zur Pflicht.

Bei der Kleidung gilt das Zwiebelprinzip: Membrantextil oder eine gute Regenkombi, wasserdichte Handschuhe und warme Schichten. Selbst im Sommer sind zwischen 0 und 30 °C alles möglich, deshalb gehören Mütze, Schal und ein zweites Paar Handschuhe ins Gepäck – Merinowolle hält warm, auch wenn sie feucht wird. Welche Ausrüstung dich zuverlässig trocken und sichtbar hält, vertieft unser Überblick zur richtigen Motorradbekleidung.

Praktisches für unterwegs, das sich bewährt hat:

  • Flickzeug und Kettenspray – Werkstätten sind im Norden dünn gesät.
  • Ein bis zwei Liter Reservesprit: meist nicht zwingend, aber die größte belegte Tankstellenlücke im Norden liegt bei rund 180 Kilometern. Achtung: viele Automaten-Tankstellen funktionieren nur mit Kreditkarte samt PIN.
  • Warme, wasserdichte Reserve griffbereit im Tankrucksack statt tief im Koffer.

Wie stark sich das Fahrverhalten mit schwerem Gepäck und bei Seitenwind verändert, solltest du kennen – unser Beitrag erklärt, wodurch sich die Fahrstabilität eines Motorrads verschlechtert, und genau diese Faktoren treffen auf der Tundra zusammen.

Gefahren unterwegs: Rentiere, Wind und Schotter

Die größten Risiken auf dem Weg zum Nordkap sind nicht die Straßen selbst, sondern Wildwechsel, Wetter und Müdigkeit. Die Fahrbahnen sind überwiegend gut ausgebaut, doch drei Dinge verlangen erhöhte Aufmerksamkeit:

  • Rentiere und Elche: In Lappland und der Finnmark stehen Rentierherden oft unvermittelt auf der Straße; Elche sind die häufigste Ursache schwerer Wildunfälle. Runter vom Gas, sobald ein Tier am Rand auftaucht – sie wechseln unberechenbar die Seite.
  • Wind und Wetter: Auf den letzten Kilometern zum Nordkap und auf offenen Hochebenen können Sturmböen die Maschine versetzen. Wechselhaftes Wetter ist der Normalfall, nicht die Ausnahme.
  • Schotter und Rollsplitt: Meist nur an Baustellen und in kurzen Abschnitten, oft festgefahren und mit Straßenreifen fahrbar – vereinzelt aber bis zu 50 Kilometer am Stück.

Dazu kommt in Norwegen ein Punkt fürs Portemonnaie: Die Bußgelder für Tempoverstöße sind extrem hoch, und geblitzt wird konsequent. Wer entspannt und vorausschauend fährt, schont Nerven und Konto gleichermaßen.

Was kostet die Tour zum Nordkap?

Eine sparsam geplante Nordkap-Tour über drei Wochen ist ab etwa 3.000 Euro machbar – mit Camping, Selbstverpflegung und dem eigenen Motorrad. Nach oben ist die Spanne offen, sobald Hotels, Restaurants und teurere Fährrouten hinzukommen. Die wichtigsten Posten:

  • Sprit in Norwegen: Super 95 kostet grob 1,84 bis 2,30 Euro pro Liter und wird nach Norden hin teurer; Schweden und Finnland sind spürbar günstiger.
  • Fähren: je nach Route und Saison ein großer, stark schwankender Posten – hier lohnt der Vergleich am meisten.
  • Übernachtung: Campingplätze liegen bei 25 bis 40 Euro pro Nacht, Hütten kosten mehr. In Norwegen, Schweden und Finnland ist Wildcampen dank des Jedermannsrechts grundsätzlich erlaubt und kostenlos.
  • Maut: Motorräder sind in Norwegen weitgehend mautbefreit, der Nordkapptunnel ohnehin kostenlos.

Der größte Spartipp aus vielen Berichten: selbst kochen. Restaurants im Norden sind teuer, Supermärkte wie Rema oder Rimi dagegen bezahlbar – ein kleiner Kocher amortisiert sich schnell. Wer generell wissen will, welche laufenden Kosten ein Motorrad verursacht, findet Anhaltspunkte in unserem Ratgeber dazu, wie viel ein Motorrad im Unterhalt kostet.

Highlights am Wegesrand: Lofoten, Atlantikstraße, Trollstigen

Das Nordkap ist der Anlass, aber die eigentlichen Höhepunkte liegen am Weg – vor allem an der norwegischen Küste. Wer die Route klug legt, nimmt diese Klassiker mit:

  • Die Lofoten: ein Archipel mit steilen Gipfeln, roten Fischerhütten (Rorbuer) und Postkartenorten wie Å und Svolvær – für viele der schönste Abschnitt der ganzen Reise.
  • Die Atlantikstraße (Atlanterhavsveien): eine rund acht Kilometer lange Brückenstraße, die sich in Schwüngen über kleine Inseln zieht – eine der berühmtesten Straßen der Welt.
  • Der Trollstigen: enge, spektakuläre Serpentinen, die gern als norwegischer Rivale des Stilfser Jochs beschrieben werden.

Dazu kommen der Geirangerfjord, die Nationalparks Jotunheimen und Jostedalsbreen sowie – für Grenzgänger – die Route Richtung Kirkenes an die russische Grenze. Die Kunst besteht darin, nicht alles mitnehmen zu wollen: Lieber wenige Highlights in Ruhe genießen als jeden Umweg abhaken.

Die häufigsten Fehler – aus Erfahrungsberichten gelernt

Der mit Abstand häufigste Fehler ist, zu viele Kilometer in zu wenig Tage zu pressen und keine Ruhetage einzuplanen. Ein Fahrer beschreibt 23 Tage am Stück ohne Pause ausdrücklich als Fehler – die Reise wird dann zur Materialschlacht statt zum Erlebnis. Weitere Muster, die immer wiederkehren:

  • Nur die E6 hochballern und die schönen Küstenrouten auslassen – Zeit gespart, Reise verschenkt.
  • Zu zweit auf einer Maschine in zwei Wochen durchziehen wollen – davon raten viele ab, drei Wochen sind das realistische Minimum.
  • Tempo unterschätzen und teure Bußgelder kassieren.
  • Ausrüstung auf gutes Wetter auslegen – der Norden bestraft das zuverlässig.

Wer die Tour in der Gruppe fährt, sollte zusätzlich die Regeln einer entspannten Ausfahrt kennen – unser Ratgeber, was bei einer Gruppenfahrt mit mehreren Motorrädern zu beachten ist, fasst sie zusammen. Und falls doch einmal etwas liegen bleibt, hilft der Blick in unseren Beitrag dazu, was beim Abschleppen eines Motorrads zu beachten ist – denn ein Kraftrad wird nicht geschleppt, sondern verladen.

Häufige Fragen (FAQ)

Wie viele Kilometer sind es mit dem Motorrad zum Nordkap? Von Deutschland aus sind es je nach Route und Rückweg rund 6.600 bis 8.000 Kilometer für die gesamte Tour. Die einfache Strecke ab dem skandinavischen Fährhafen liegt bei etwa 5.000 bis 6.000 Kilometern.

Wie lange dauert eine Motorradtour zum Nordkap? Zwei Wochen sind das absolute Minimum, drei Wochen gelten als realistisch und entspannt. Wer viel sehen will und Ruhetage einplant, nimmt sich eher vier bis fünf Wochen.

Wann ist die beste Reisezeit fürs Nordkap? Zwischen Anfang Juni und Ende August. Die Mitternachtssonne scheint am Nordkap vom 13. Mai bis 29. Juli; Anfang Juni ist es leerer, im August ist das Wetter oft stabiler.

Welches Motorrad braucht man für die Nordkap-Tour? Jedes reisetaugliche Motorrad genügt, da die Strecke durchgehend asphaltiert ist. Eine Enduro ist nicht nötig – entscheidend sind guter technischer Zustand, passende Reifen und ein bequemes Setup für lange Etappen.

Ist die Strecke zum Nordkap gefährlich? Nein, grundsätzlich nicht: Die Straßen sind überwiegend gut ausgebaut. Die Hauptrisiken sind Wildwechsel (Rentiere, Elche), Sturmböen auf offenen Strecken, gelegentlicher Rollsplitt und die eigene Müdigkeit.

Was kostet die Motorradtour zum Nordkap? Sparsam mit Camping und Selbstverpflegung ist eine Drei-Wochen-Tour ab etwa 3.000 Euro machbar. Größte Posten sind Sprit (in Norwegen teuer) und die Fähren; Wildcampen ist dank Jedermannsrecht kostenlos.

Muss man am Nordkap Eintritt zahlen? Das Plateau mit dem Globus ist seit 2021 frei zugänglich. Eintritt kostet nur die Nordkaphalle mit Museum und Restaurant – je nach Saison rund 22 bis 30 Euro. Der Nordkapptunnel ist seit 2012 mautfrei.

Fazit

Eine Reise mit dem Motorrad zum Nordkap ist weniger eine Frage des richtigen Motorrads als der richtigen Planung: rund 6.600 bis 8.000 Kilometer, am besten im Juni bis August, mit drei Wochen Zeit und dem Mut zu Ruhetagen. Fahr durchs Inland zügig hinauf und über die Küste mit den Lofoten genussvoll zurück, plane die Fähre früh, stell dich auf Kälte, Wind und teuren Sprit ein – und mach deine Zufriedenheit nicht am Wetter auf dem Plateau fest. Das Nordkap ist ein raues, oft graues Ziel. Das Erlebnis liegt in allem davor: der Mitternachtssonne über einem leeren Fjord, dem Rentier am Straßenrand und dem Gefühl, dem Rest der Welt für ein paar Tage sehr weit voraus zu sein.