Einmal mit dem Motorrad nach England – enge Kurven über grüne Hügel, Steinmauern am Straßenrand, Tee an einem Pub mit reetgedecktem Dach und der berühmte Linksverkehr, den man erst einmal im Kopf umlegen muss. Für viele Tourenfahrer ist die Insel das perfekte lange Wochenende oder die entspanntere Alternative zur großen Skandinavien-Runde: nah genug für die spontane Fahrt, fremd genug für echtes Reisegefühl. Nur ist der Weg dorthin ein bisschen anders geplant als eine Tour über die Alpen – es liegt der Ärmelkanal dazwischen, seit dem Brexit gelten neue Papierregeln, und links zu fahren will geübt sein. Dieser Ratgeber bündelt, was vor der Abfahrt wirklich zählt: die beste Anreise per Fähre oder Eurotunnel, die nötigen Dokumente, den Umgang mit dem Linksverkehr, die Kosten vor Ort – gerade in London – und die schönsten Routen der Insel.
Die kurze Antwort: Was eine England-Tour ausmacht
Mit dem Motorrad nach England kommt man am schnellsten über den Eurotunnel (LeShuttle) oder eine kurze Ärmelkanalfähre ab Calais oder Dünkirchen; wer den langen Landweg durch Frankreich sparen will, nimmt eine Nachtfähre aus den Niederlanden. Seit dem Brexit brauchst du einen gültigen Reisepass, eine elektronische Einreisegenehmigung (ETA) und die grüne Versicherungskarte – der Personalausweis reicht nicht mehr. Vor Ort ist die größte Umstellung der Linksverkehr, gefahren wird in Meilen pro Stunde, und für Motorräder ist England erstaunlich günstig: In London zahlen Zweiräder weder City-Maut noch die meisten Umweltgebühren.
Der Reiz liegt weniger in einer einzelnen Traumstraße als im Gesamtbild: kleine, kurvige B-Roads durch den Peak District, die Seenlandschaft des Lake District, die Pässe in Wales – und die eigentümliche Ruhe, mit der der Verkehr auf der Insel fließt. Wer die Reise plant, klärt am besten früh drei Dinge: wie er übersetzt, welche Papiere er braucht und wie viel Zeit er sich nimmt. Alles Weitere baut darauf auf.
Anreise: Eurotunnel oder Fähre über den Ärmelkanal?
Für die Überfahrt nach England gibt es zwei Klassiker: den Eurotunnel (LeShuttle) von Calais nach Folkestone – rund 35 Minuten, trocken und ohne Seegang – oder die Fähre über den Ärmelkanal, meist Calais–Dover oder Dünkirchen–Dover. Beide bringen dich und die Maschine ohne großen Aufwand auf die Insel; die Wahl entscheidet vor allem über Gefühl, Wetterabhängigkeit und ein paar Euro.
Der Eurotunnel ist bei vielen Motorradfahrern beliebt, weil die Maschine auf einem Autozug einfach auf dem Seitenständer steht und nicht festgezurrt wird – kein Schaukeln, kein Salzwasser, keine Seekrankheit. Nach demselben Prinzip rollt das Motorrad auch auf den Autozug nach Sylt an der Nordsee. Preislich liegt die Motorradüberfahrt je nach Saison und Buchungszeitpunkt grob bei rund 36 bis 55 Euro pro Strecke; Frühbucher und Nebenzeiten sind deutlich günstiger. Plane genügend Puffer für den Check-in ein – üblich ist, mindestens etwa 60 bis 90 Minuten vor Abfahrt da zu sein.
Die Fähre dauert länger (Calais–Dover etwa 90 Minuten, Dünkirchen–Dover rund zwei Stunden), fährt dafür sehr dicht getaktet mit vielen Abfahrten am Tag. Der große Unterschied für Biker: Auf der Fähre wird das Motorrad festgezurrt. Das Personal hilft in der Regel, trotzdem lohnt es sich, das Sichern mit Spanngurten einmal selbst zu üben und den ersten Gang einzulegen. Die Preise schwanken stark, als Orientierung gelten etwa 45 bis 70 Euro pro Strecke für Motorrad plus Fahrer. Weil die genauen Tarife von Saison, Uhrzeit und Anbieter abhängen, lohnt der Vergleich mehrerer Abfahrten – die Angaben hier sind bewusst als Spanne zu verstehen, nicht als Festpreis.
Der lange Landweg oder die Nachtfähre aus den Niederlanden
Wer nicht erst quer durch Frankreich bis Calais fahren will, kann von den Niederlanden aus direkt übersetzen – teils über Nacht mit Kabine, sodass ein großer Teil der Anreise „verschlafen“ wird. Das ist vor allem für Fahrer aus dem Norden und der Mitte Deutschlands attraktiv, weil es den Umweg über den südlichen Kanal spart.
Gängige Verbindungen sind:
- Hoek van Holland–Harwich (Stena Line): rund 6,5 Stunden, als Tag- oder Nachtüberfahrt.
- Rotterdam–Hull (P&O Ferries): eine reine Nachtfähre von etwa 11 bis 12 Stunden.
- IJmuiden bei Amsterdam–Newcastle (DFDS): die lange Nordroute über Nacht (rund 17 Stunden), die dich schon weit im Norden Englands absetzt.
Alle nehmen Motorräder mit und bieten Kabinen. Der Preis liegt naturgemäß höher als bei der kurzen Kanalüberfahrt, dafür sparst du Fahrtage, Sprit und eine Übernachtung an Land. Welche Variante sich rechnet, hängt stark vom Startpunkt ab: Für Süddeutsche bleibt der Weg über Calais meist sinnvoller, für Norddeutsche kann die Nachtfähre die entspanntere Wahl sein. Wie stark sich ein voll bepacktes Motorrad überhaupt fährt, solltest du vorher kennen – unser Beitrag erklärt, wodurch sich die Fahrstabilität eines Motorrads verschlechtert, und Gepäck plus Seitenwind gehören genau dazu.
Papiere & Formalitäten: Was sich seit dem Brexit geändert hat
Seit dem Brexit reist du nach Großbritannien wie in ein Nicht-EU-Land ein: Du brauchst einen gültigen Reisepass, eine elektronische Einreisegenehmigung (ETA) und die grüne Versicherungskarte – der Personalausweis allein genügt nicht mehr. Diese drei Dinge sollten vor der Abfahrt erledigt sein, sonst endet die Tour schon vor der Fähre.
Im Einzelnen:
- Reisepass: Pflicht seit Oktober 2021. Der Personalausweis wird für die Einreise nach Großbritannien nicht mehr akzeptiert. Prüfe die Gültigkeit rechtzeitig – ein abgelaufener Pass ist ein häufiger, vermeidbarer Reisestopper.
- ETA (Electronic Travel Authorisation): Die elektronische Einreisegenehmigung ist für Deutsche seit 2025 verpflichtend – auch für Motorradfahrer. Beantragt wird sie vorab online bzw. per App (Pass scannen, Foto hochladen). Die Gebühr liegt aktuell bei rund 20 Pfund; die ETA gilt rund zwei Jahre und erlaubt beliebig viele Einreisen für Aufenthalte bis zu sechs Monaten. Beantrage sie einige Tage vor der Abreise, nicht erst am Hafen.
- Grüne Versicherungskarte: Für Großbritannien wieder mitzuführen; achte auf das Länderkürzel GB/UK. Sie bestätigt deinen Kfz-Haftpflichtschutz im Ausland – kläre mit deiner Versicherung, ob England abgedeckt ist.
- Führerschein & Fahrzeugpapiere: Der deutsche Führerschein wird anerkannt, ein internationaler ist nicht nötig. Zulassungsbescheinigung (Fahrzeugschein) mitnehmen.
- UK-Kennzeichnung: Bei der Ausreise nach Großbritannien gehört ein UK-Aufkleber ans Fahrzeug, falls das Kennzeichen ihn nicht ohnehin zeigt.
Weil sich Gebühren und Detailregeln ändern können, gilt hier besonders: vor der Buchung die aktuellen Angaben der offiziellen Stellen prüfen (Auswärtiges Amt, GOV.UK, ADAC). Die genannten Werte sind der Stand dieses Ratgebers.
Linksverkehr: die größte Umstellung im Kopf
Die eigentliche Herausforderung in England ist nicht die Anreise, sondern das Fahren auf der linken Seite – vor allem in Kreisverkehren, beim Abbiegen und beim Überholen. Die ersten Stunden verlangen volle Konzentration; nach einem halben Tag sitzt vieles, aber die kritischen Momente bleiben genau die, in denen der alte Reflex zurückkommt: an Kreuzungen, nach Pausen und beim Blick in die „falsche“ Richtung.
Ein paar Dinge helfen spürbar:
- Kreisverkehr: In England dreht sich der Kreisel im Uhrzeigersinn, und Vorfahrt hat, wer von rechts kommt. Ordne dich früh ein: die linke Spur für frühe Ausfahrten, die rechte für späte.
- Abbiegen: Der gefährlichste Reflex ist, nach dem Abbiegen wieder auf der rechten Seite zu landen. Merksatz: Nach jedem Abbiegen gehört die Fahrbahnmitte an deine rechte Schulter.
- Scheinwerfer: Das asymmetrische Abblendlicht deutscher Fahrzeuge strahlt nach rechts und blendet im Linksverkehr den Gegenverkehr. Für längere Fahrten bei Dunkelheit gibt es Scheinwerfer-Aufkleber („Blackout-Sticker“), die den störenden Lichtkegel abdecken. In der Praxis kleben viele Fahrer bei reinen Sommer-Kurztrips nicht ab – rücksichtsvoll ist es trotzdem, und bei viel Nachtfahrt sinnvoll.
Fahre die erste Etappe nach der Fähre bewusst langsam und defensiv. Wer die Insel zum ersten Mal erlebt, unterschätzt gern, wie sehr die ungewohnte Seite Kraft kostet – plane deshalb kürzere Etappen für den ersten Tag.
Tempolimits in Meilen und die wichtigsten Verkehrsregeln
In Großbritannien gilt alles in Meilen pro Stunde (mph), und die Grenzen sind klar gestaffelt: 30 mph in Ortschaften, 60 mph auf Landstraßen und 70 mph auf Autobahnen (Motorways) und zweispurigen Schnellstraßen. Umgerechnet sind das rund 48, 97 und 112 km/h. Der Tacho vieler moderner Motorräder zeigt mph mit an oder lässt sich umstellen – sonst hilft eine grobe Faustregel: 30 mph ≈ 50, 60 mph ≈ 95, 70 mph ≈ 110 km/h.
Geblitzt wird konsequent, und die Bußgelder sind kein Kavaliersdelikt: Schon eine deutliche Überschreitung in einer 30er-Zone kann mit mindestens rund 100 Pfund und Strafpunkten zu Buche schlagen. Fahr also von Anfang an bewusst in mph und rechne nicht ständig um – wer im Kopf noch in km/h denkt, ist in der Ortschaft schnell zu schnell. Ansonsten gilt der übliche Motorrad-Grundsatz: Ein Motorrad wird im Regelfall vorausschauend und mit beiden Bremsen abgebremst – wer sich beim Bremsen auf Nässe unsicher fühlt, findet in unserem Beitrag, wie ein Motorrad im Regelfall abzubremsen ist, die Grundlagen.
Kosten vor Ort: Sprit, Pfund und die London-Frage
Vor Ort zahlst du in Pfund Sterling, Sprit ist teurer als in Deutschland – aber ausgerechnet für Motorräder ist England günstig, weil Zweiräder in London von City-Maut und den meisten Umweltgebühren befreit sind. Das macht die Insel für Biker finanziell entspannter, als der Ruf vermuten lässt.
Die wichtigsten Posten:
- Kraftstoff: Benzin kostet in Großbritannien grob um 1,50 Pfund pro Liter (Momentaufnahme, über das Jahr schwankend) – spürbar mehr als in Deutschland und in Pfund pro Liter, nicht in Euro.
- London Congestion Charge: Die City-Maut in der Londoner Innenstadt gilt nicht für Motorräder – Zweiräder sind komplett befreit, ohne Registrierung.
- London ULEZ (Umweltzone): Sie erfasst zwar auch Motorräder, aber praktisch jedes seit Juli 2007 zugelassene Motorrad (Euro 3) gilt als sauber und zahlt nichts. Nur sehr alte, nicht konforme Maschinen kämen auf rund 12,50 Pfund pro Tag – im TfL-Checker vorab prüfbar.
- Dartford Crossing (Dart Charge): Die Themse-Querung östlich von London ist für Motorräder gebührenfrei.
Unterm Strich ist der größte laufende Posten der Sprit, gefolgt von Übernachtung und Verpflegung. Wer generell wissen will, welche Kosten ein Motorrad im Betrieb verursacht, findet Anhaltspunkte in unserem Ratgeber dazu, wie viel ein Motorrad im Unterhalt kostet.
Mit dem Motorrad nach London – lohnt sich das?
Mit dem Motorrad nach London zu fahren ist gerade wegen der Gebührenbefreiung reizvoll: Wo Autos City-Maut und Umweltzone zahlen, kommen Zweiräder frei durch – dafür sind Verkehr und Parken in der Innenstadt anspruchsvoll. Für ein Wochenende in der Hauptstadt ist das Motorrad also erstaunlich praktisch, solange man sich auf dichten Stadtverkehr und Linksverkehr im Getümmel einstellt.
In der Praxis heißt das: London hat an vielen Stellen ausgewiesene, oft kostenlose oder günstige Motorrad-Parkplätze, und das Vorankommen im zähen Verkehr fällt zweirädrig leichter als im Auto. Wer aber vor allem fahren und Kurven genießen will, nutzt London eher als Start- oder Zielpunkt und verbringt die eigentliche Fahrzeit in den Nationalparks. Die schönste England-Tour verbindet oft beides: ein, zwei Tage Stadt, dann raus aufs Land.
Ein ehrlicher Hinweis: Der Stadtverkehr in London ist für ungeübte Linksfahrer kein guter Einstieg. Fahr die ersten Kilometer nach der Ankunft lieber über Landstraßen, gewöhne dich an die Seite, und nimm dir die Metropole erst vor, wenn der Linksverkehr sicher sitzt.
Beste Reisezeit und Wetter auf der Insel
Die beste Reisezeit für eine Motorradtour nach England liegt zwischen Juni und September – dann sind die Temperaturen mild (meist rund 14 bis 25 Grad) und die langen Tage geben viel Fahrzeit. Ein stabiles Schönwetter-Fenster gibt es aber nicht: Englisches Wetter ist berüchtigt wechselhaft, und Sonne, Wind und Regen an einem einzigen Tag sind eher Regel als Ausnahme.
Regional gibt es klare Muster: Der Südosten ist am trockensten und wärmsten, der Nordwesten mit dem Lake District am regenreichsten – dort ist die Landschaft dafür am spektakulärsten. Plane deshalb Regentage fest ein und mach deine Zufriedenheit nicht von durchgehendem Sonnenschein abhängig. Wer mit der richtigen Einstellung (und Ausrüstung) startet, erlebt gerade den schnellen Wetterwechsel als Teil des britischen Charakters.
Die schönsten Motorradrouten in England und Wales
Die eigentlichen Höhepunkte einer England-Tour liegen abseits der Autobahnen – auf den kurvigen B-Roads durch die Nationalparks und über die Pässe von Wales. Wer die Route klug legt, nimmt diese Klassiker mit:
- Peak District (Mittelengland): Das Bikerrevier schlechthin, gut erreichbar zwischen Manchester und Sheffield. Der Snake Pass (A57) und die Cat & Fiddle (A537) gehören zu den bekanntesten Motorradstrecken des Landes – kurvig, wellig und landschaftlich stark.
- Lake District (Nordwestengland): Seen, Berge und enge Pässe wie der berüchtigte Hardknott Pass mit extremen Steigungen und Spitzkehren – anspruchsvoll und grandios zugleich.
- Yorkshire Dales & Northumberland (Nordengland): Weite, einsame Hochmoorstraßen, bis hinauf zum Hadrianswall – ideal, wenn man Ruhe und lange Kurvenradien sucht.
- Wales: Der Black Mountain Pass (A4069) und die Straßen der Brecon Beacons sind unter Tourenfahrern legendär – für viele der schönste Abschnitt einer Britannien-Reise.
Die Kunst besteht darin, nicht alles mitnehmen zu wollen. Lieber wenige Regionen in Ruhe fahren als jeden Umweg abhaken. Nördlich der englischen Grenze schließt sich Schottland mit der legendären Küstenroute NC500 an – die Tour dorthin beschreiben wir separat, mit dem Motorrad nach Schottland. Wer danach Appetit auf die ganz großen Distanzen bekommt, findet Anregungen in unseren Berichten mit dem Motorrad zum Nordkap oder mit dem Motorrad um die Welt.
Ausrüstung und typische Fehler
Der häufigste Fehler auf einer England-Tour ist, das Wetter zu unterschätzen und ohne verlässliche Regenausrüstung loszufahren. Auf der Insel gehört Nässe zum Alltag, und wer erst am zweiten Regentag durchweicht ist, kämpft mit der Reise statt sie zu genießen. Was sich bewährt:
- Wasserdichte Kleidung nach dem Zwiebelprinzip und wasserdichte Handschuhe – der schnelle Wetterumschwung bestraft alles andere. Welche Ausrüstung dich zuverlässig trocken und sichtbar hält, vertieft unser Überblick zur richtigen Motorradbekleidung.
- Technik vor der Fernreise prüfen: neuwertige Reifen, funktionierende Bremsen, richtige Kettenspannung und ausreichend Ölreserve. Wann ein Ölwechsel fällig ist, klärt unser Ratgeber dazu, wie oft ein Ölwechsel beim Motorrad nötig ist – vor der Überfahrt gehört er zur Pflicht.
- Notruf 999 oder 112, ein Schutzbrief mit Auslandsdeckung und etwas Bargeld in Pfund gehören ins Gepäck.
Weitere klassische Fehler: die erste Etappe zu lang planen, obwohl der Linksverkehr Kraft kostet; das Motorrad auf der Fähre schlampig sichern; und die Papiere erst am Hafen organisieren wollen. Welches Motorrad überhaupt zu dir und deinem Fahrstil auf so einer Reise passt, klärt vorab unser Ratgeber, welches Motorrad zu dir passt.
Häufige Fragen (FAQ)
Welche Anreise nach England ist mit dem Motorrad am besten? Für die schnelle, wetterunabhängige Überfahrt ist der Eurotunnel (LeShuttle) ab Calais ideal – die Maschine wird nicht festgezurrt. Die Fähre über den Ärmelkanal ist günstig getaktet und oft etwas preiswerter. Wer den langen Landweg durch Frankreich sparen will, nimmt eine Nachtfähre aus den Niederlanden (z. B. Rotterdam–Hull).
Was kostet die Fähre oder der Eurotunnel mit dem Motorrad? Als grobe Orientierung liegt der Eurotunnel bei rund 36 bis 55 Euro pro Strecke, die kurze Ärmelkanalfähre bei etwa 45 bis 70 Euro für Motorrad plus Fahrer. Die Preise schwanken stark nach Saison, Uhrzeit und Buchungszeitpunkt – Frühbucher fahren deutlich günstiger.
Brauche ich für England mit dem Motorrad einen Reisepass und eine ETA? Ja. Seit dem Brexit ist ein gültiger Reisepass Pflicht, der Personalausweis reicht nicht mehr. Zusätzlich brauchen Deutsche eine elektronische Einreisegenehmigung (ETA), die vorab online beantragt wird und aktuell rund 20 Pfund kostet.
Ist die grüne Versicherungskarte für Großbritannien Pflicht? Die grüne Versicherungskarte ist für Großbritannien wieder mitzuführen; achte auf das Länderkürzel GB/UK. Kläre vor der Reise mit deiner Kfz-Versicherung, dass der Haftpflichtschutz England abdeckt.
Muss ich am Motorrad wegen des Linksverkehrs die Scheinwerfer umstellen? Das asymmetrische Abblendlicht blendet im Linksverkehr den Gegenverkehr. Für längere Nachtfahrten gibt es Scheinwerfer-Aufkleber, die den störenden Lichtkegel abdecken. Bei reinen Tages-Kurztrips verzichten viele darauf – rücksichtsvoll und bei viel Dunkelheit sinnvoll ist das Abkleben trotzdem.
Gilt die London City-Maut oder die Umweltzone auch für Motorräder? Die Londoner Congestion Charge gilt nicht für Motorräder – Zweiräder sind komplett befreit. Die Umweltzone ULEZ erfasst zwar auch Motorräder, aber praktisch jede seit Juli 2007 zugelassene Maschine gilt als sauber und zahlt nichts. Auch das Dartford Crossing ist für Motorräder gebührenfrei.
Wann ist die beste Reisezeit für eine England-Tour? Zwischen Juni und September, wenn die Temperaturen mild und die Tage lang sind. Das Wetter bleibt wechselhaft, mit Sonne, Wind und Regen oft an einem Tag – Regentage fest einplanen.
Fazit
Eine Reise mit dem Motorrad nach England ist weniger eine Frage der richtigen Maschine als der richtigen Vorbereitung: Reisepass, ETA und grüne Versicherungskarte vorab organisieren, die Überfahrt per Eurotunnel oder Fähre früh buchen und sich mental auf Linksverkehr, Meilen und wechselhaftes Wetter einstellen. Fahr die erste Etappe nach der Ankunft bewusst langsam, bis die ungewohnte Seite sitzt, plane Regentage ein und nutze London als Stadt-Zwischenstopp statt als Fahrrevier. Der Lohn sind kurvige B-Roads durch den Peak District, Pässe in Wales und die eigentümlich entspannte Art, mit der der Verkehr auf der Insel fließt. Wer sich einmal an das Fahren links gewöhnt hat, versteht schnell, warum England für viele Tourenfahrer zur festen Adresse wird – nah, anders und überraschend motorradfreundlich.
Quellen
- Großbritannien – Reise- und Sicherheitshinweise (Einreise, Reisepass) – Auswärtiges Amt
- Apply for an ETA to come to the UK – GOV.UK
- Brexit: Tipps für Autofahrer und Reisende – ADAC
- Congestion Charge – Discounts and exemptions (Motorcycles) – Transport for London
- Ultra Low Emission Zone (ULEZ) – Motorcycles – Transport for London
- Dart Charge – Pay the Dartford Crossing charge – GOV.UK
- Speed limits – GOV.UK
- Mit dem Motorrad nach Großbritannien – Ländertipps – DFDS
- Motorrad mit dem Eurotunnel / LeShuttle – Ärmelkanaltunnel.de