Das schnellste Motorrad der Welt ist – je nachdem, was man zählt – entweder der Streamliner „Ack Attack“ mit einem offiziellen Höchstgeschwindigkeits-Rekord von 605,697 km/h oder, wenn es um ein normales Motorrad geht, die Kawasaki Ninja H2R mit rund 400 km/h und bis zu 326 PS. Straßenzugelassene Serienmotorräder sind dagegen fast alle bei 300 km/h abgeriegelt. Der Trick liegt also in der Frage „welches Motorrad?“ – Serienmaschine, Sondermodell oder Rekordfahrzeug. Genau diese drei Kategorien schauen wir uns hier der Reihe nach an.
Was ist das schnellste Motorrad der Welt? Die kurze Antwort
Es gibt nicht die eine Höchstgeschwindigkeit, weil „schnellstes Motorrad“ drei völlig verschiedene Dinge bedeuten kann. Ein sauberer Vergleich braucht deshalb drei Kategorien:
| Kategorie | Schnellstes Modell | Höchstgeschwindigkeit | Leistung |
|---|---|---|---|
| Offizieller Weltrekord (Streamliner) | Ack Attack | 605,697 km/h | > 900 PS |
| Schnellstes Serienmotorrad | Kawasaki Ninja H2R | ~400 km/h | 310–326 PS |
| Schnellstes straßenzugelassenes Serienbike | Hayabusa / ZX-14R / H2 | 299 km/h (abgeriegelt) | ~190–243 PS |
Wer nach dem absoluten Rekord fragt, landet beim zigarrenförmigen Rekordfahrzeug. Wer ein echtes, kaufbares Motorrad meint, landet bei der Ninja H2R. Und wer wissen will, wie schnell ein Bike fahren darf, das legal auf der Straße rollt, stößt auf die berühmte 300-km/h-Grenze. Diese Unterscheidung erklärt fast alle widersprüchlichen Zahlen, die im Netz kursieren.
Kawasaki Ninja H2R – das schnellste Serienmotorrad
Das schnellste Serienmotorrad der Welt ist die Kawasaki Ninja H2R: Sie erreicht rund 400 km/h und leistet 310 PS, mit dem Ram-Air-Effekt bei hohem Tempo sogar bis zu 326 PS. Damit ist sie kein Streamliner und kein Einzelstück, sondern ein regulär gebautes Motorrad – allerdings ausschließlich für die Rennstrecke, ohne Straßenzulassung.
Möglich macht das ein aufgeladener Vierzylinder mit Kompressor (Supercharger): 998 cm³ Hubraum, der die Luft verdichtet und so die Leistung enorm steigert. Die aggressive Aerodynamik mit Kohlefaser-Winglets hält das leichte Motorrad bei dreistelligem Tempo stabil auf dem Boden. Bei einer vielbeachteten Rekordfahrt beschleunigte der Rennfahrer Kenan Sofuoğlu die H2R 2016 auf einer neu gebauten Brücke in der Türkei auf 400 km/h.
Die straßenzugelassene Schwester Ninja H2 ist zahmer abgestimmt: 231 PS, mit Ram-Air 243 PS, und wie bei allen Serienbikes bei rund 300 km/h elektronisch begrenzt. Der Topspeed jenseits der 400-km/h-Marke bleibt also der reinen Rennstrecken-Version vorbehalten.
Wie viel PS hat das schnellste Motorrad?
Beim reinen PS-Wert führt nicht die Kawasaki, sondern das MTT Turbine Superbike mit 420 PS – angetrieben von einer echten Hubschrauber-Gasturbine. Bei den konventionellen Kolbenmotoren ist die Ninja H2R mit 310 bis 326 PS das leistungsstärkste Serienmotorrad.
Das MTT Turbine Superbike (Modelle Y2K bzw. 420-RR) ist eine Kuriosität: Statt eines klassischen Motors arbeitet eine Rolls-Royce-Allison-Gasturbine, wie sie in Helikoptern steckt. Das Ergebnis sind 420 PS und ein gewaltiges Drehmoment von rund 678 Nm. Die theoretische Endgeschwindigkeit liegt bei etwa 440 km/h, begrenzt vor allem durch die Übersetzung. Mit einem Preis von rund 275.000 US-Dollar gilt es als eines der teuersten Serienmotorräder überhaupt – wer sich fragt, wie viel ein Motorrad kostet, findet hier das obere Extrem der Skala; das absolut teuerste Motorrad der Welt kostet allerdings noch weit mehr.
Zur Einordnung: Ein normales, alltagstaugliches Supersportler-Motorrad kommt auf 150 bis 200 PS, eine MotoGP-Rennmaschine sogar auf über 290 PS. Die Rekord-Streamliner sprengen mit über 900 (Ack Attack) bzw. über 1.000 PS (Triumph Rocket Streamliner) jeden Serienmaßstab – sie sind aber keine Motorräder, die man kaufen kann.
Das schnellste straßenzugelassene Motorrad und das 300-km/h-Limit
Das schnellste straßenzugelassene Serienmotorrad erreicht offiziell 299 km/h – nicht, weil die Technik nicht mehr könnte, sondern wegen einer freiwilligen Geschwindigkeitsbegrenzung der Hersteller. Modelle wie die Suzuki Hayabusa, die Kawasaki Ninja ZX-14R und die Ninja H2 laufen alle gegen dieselbe elektronische Wand bei rund 300 km/h.
Der Grund ist das sogenannte Gentlemen’s Agreement: Ende der 1990er lieferten sich vor allem Suzuki und Kawasaki ein Wettrüsten um den Titel des schnellsten Serienmotorrads. Die erste Suzuki Hayabusa von 1999 fuhr unbegrenzt zwischen 303 und 312 km/h – je nach Quelle und Messung – und war damit das schnellste Serienbike ihrer Zeit. Aus Sorge vor einem drohenden EU-Importverbot einigten sich die großen japanischen und europäischen Hersteller ab dem Modelljahr 2000 stillschweigend darauf, die Höchstgeschwindigkeit ihrer Serienmaschinen elektronisch auf 300 km/h zu begrenzen. Diese informelle Vereinbarung gilt bis heute.
Ohne diesen Begrenzer würden viele dieser Maschinen deutlich schneller laufen: Die ZX-14R etwa käme rechnerisch auf über 320 km/h. Für die Praxis auf öffentlichen Straßen ist das ohnehin akademisch – schon deutlich unterhalb dieser Werte endet der sinnvolle Bereich. Wie die real empfohlenen Tempolimits aussehen, zeigt unser Ratgeber zur Richtgeschwindigkeit auf der Autobahn. Und bei solchen Geschwindigkeiten entscheidet die richtige Motorradbekleidung im Ernstfall über Leben und Tod.
Der offizielle Geschwindigkeitsweltrekord: Streamliner mit 605 km/h
Der offizielle Motorrad-Höchstgeschwindigkeitsrekord liegt bei 605,697 km/h, aufgestellt 2010 vom Streamliner „Ack Attack“ mit Fahrer Rocky Robinson auf den Bonneville Salt Flats in Utah. Das ist der von der FIM anerkannte Zwei-Wege-Durchschnitt; der schnellste Einzellauf lag sogar bei 634 km/h.
Solche Rekord-Motorräder haben mit einem normalen Bike nur noch die zwei Räder gemeinsam. Der Ack Attack ist ein voll verkleideter, zigarrenförmiger Streamliner, in dem der Fahrer liegt. Angetrieben wird er von zwei turbogeladenen Hayabusa-Motoren mit zusammen über 900 PS. Die geschlossene Stromlinien-Karosserie reduziert den Luftwiderstand auf ein Minimum – ohne diese Aerodynamik wäre eine solche Höchstgeschwindigkeit unmöglich.
Zur Rekordgeschichte gehören auch:
- BUB Seven Streamliner: hielt vor Ack Attack mit 564,693 km/h (2006) den Rekord und war das erste Motorrad über 350 mph.
- Triumph Rocket Streamliner: Der frühere TV-Mechaniker und Rennfahrer Guy Martin erreichte 2016 damit 441 km/h (274,2 mph) – das schnellste Triumph aller Zeiten, aber kein Weltrekord, weil das Ziel von über 400 mph verfehlt wurde.
Wichtig: Diese Fahrzeuge sind reine Rekordgeräte für abgesperrte Salzseen, kein Serienprodukt und nichts, was man auf einer Rennstrecke oder gar Straße bewegen könnte.
Das schnellste Elektromotorrad: Voxan Wattman mit 456 km/h
Das schnellste Elektromotorrad der Welt ist der Voxan Wattman: 2021 fuhr der ehemalige MotoGP-Weltmeister Max Biaggi damit einen Rekord von 455,737 km/h. Der Lauf fand auf der Landebahn des Kennedy Space Center in Florida statt; die GPS-Spitze lag bei über 470 km/h.
Der Wattman zeigt, dass auch der Elektroantrieb im Rekordbereich angekommen ist – insgesamt stellte das Team 21 Weltrekorde in verschiedenen Klassen auf. Für den Alltag deutlich relevanter ist die Lightning LS-218: Sie gilt seit 2014 mit 218 mph (rund 351 km/h) und 244 PS als schnellstes straßenzugelassenes Elektro-Serienmotorrad. Das reine Leistungsgewicht solcher E-Maschinen sorgt zudem für brachiale Beschleunigung aus dem Stand.
Dodge Tomahawk: der Mythos vom 680-km/h-Motorrad
Der oft genannte Dodge Tomahawk mit angeblich 680 km/h ist kein echtes Rekord-Motorrad, sondern eine Design-Studie von 2003, die nie schneller als etwa 160 km/h bewegt wurde. Er taucht in vielen „schnellste Motorräder“-Listen auf – gehört dort aber streng genommen nicht hin.
Der Tomahawk trug einen 8,3-Liter-V10-Motor aus der Dodge Viper mit 500 PS und vier Rädern. Die spektakuläre Zahl von 680 km/h (später auf 480 km/h nach unten korrigiert) war eine reine Rechengröße aus Motorleistung und Übersetzung – ohne Berücksichtigung des Luftwiderstands, ohne jeden Praxistest. Der damalige Chrysler-Entwicklungschef bestätigte offen, dass niemand das Fahrzeug je über 160 km/h gefahren hat. Verkauft wurden nur eine Handvoll Exemplare als „rollende Skulpturen“. Der Tomahawk ist damit ein faszinierendes Show-Objekt, aber kein belastbarer Geschwindigkeitsrekord.
Serie, Sondermodell, Rekord – warum die Zahlen so weit auseinandergehen
Wenn eine Quelle „400 km/h“, die nächste „605 km/h“ und eine dritte „680 km/h“ nennt, reden alle über etwas anderes. Die entscheidende Unterscheidung noch einmal auf den Punkt gebracht:
- Serienmotorrad: ein regulär gebautes, kaufbares Motorrad. Schnellstes: Kawasaki Ninja H2R (~400 km/h, nur Rennstrecke). Straßenzugelassen sind praktisch alle bei 300 km/h begrenzt.
- Sondermodell / Konzept: Einzelstücke wie das MTT Turbine Superbike (echt, 420 PS) oder Studien wie der Dodge Tomahawk (nie bewegt).
- Rekordfahrzeug (Streamliner): aerodynamisch optimierte Spezialgeräte für Salzseen. Absoluter Rekord: Ack Attack mit 605,697 km/h.
„Abgeriegelt“ heißt außerdem nicht „maximal möglich“: Viele Serienbikes könnten schneller, dürfen aber wegen des Gentlemen’s Agreement nicht. Und die reine PS-Zahl allein sagt wenig über den Topspeed – Aerodynamik, Gewicht und Übersetzung entscheiden mit. Für die allermeisten Fahrer sind diese Extremwerte ohnehin Theorie; welches Bike wirklich zu einem passt, klärt unser Ratgeber welches Motorrad passt zu mir.
Häufige Fragen (FAQ)
Was ist das schnellste Motorrad der Welt? Der offizielle Höchstgeschwindigkeitsrekord liegt bei 605,697 km/h, gefahren mit dem Streamliner Ack Attack (2010, Bonneville). Das schnellste normale Serienmotorrad ist die Kawasaki Ninja H2R mit rund 400 km/h.
Wie schnell ist das schnellste Serienmotorrad? Die Kawasaki Ninja H2R erreicht rund 400 km/h. Sie ist allerdings nicht für den Straßenverkehr zugelassen, sondern ausschließlich für die Rennstrecke gebaut.
Warum sind Serienmotorräder auf 300 km/h begrenzt? Wegen des sogenannten Gentlemen’s Agreement: Die Hersteller einigten sich ab dem Jahr 2000 freiwillig darauf, die Höchstgeschwindigkeit ihrer Serienmaschinen elektronisch auf rund 300 km/h zu begrenzen – aus Sorge vor einem drohenden Verbot.
Welches Motorrad hat am meisten PS? Das MTT Turbine Superbike mit Gasturbine leistet 420 PS. Bei den Motorrädern mit klassischem Kolbenmotor ist die Kawasaki Ninja H2R mit 310 bis 326 PS das stärkste Serienmodell.
Wie schnell ist das schnellste Elektromotorrad? Der Voxan Wattman fuhr 2021 mit Max Biaggi einen Rekord von 455,737 km/h. Das schnellste straßenzugelassene Elektro-Serienmotorrad ist die Lightning LS-218 mit rund 351 km/h.
Ist der Dodge Tomahawk wirklich 680 km/h gefahren? Nein. Die 680 km/h waren nur ein rechnerischer Wert. Der Tomahawk ist eine Design-Studie von 2003 und wurde nie schneller als etwa 160 km/h bewegt.
Fazit
„Das schnellste Motorrad der Welt“ hat drei richtige Antworten – man muss nur wissen, welche Kategorie gemeint ist. Der absolute Rekord gehört dem Streamliner Ack Attack mit 605,697 km/h, einem reinen Rekordgerät mit über 900 PS. Unter den echten, kaufbaren Motorrädern ist die Kawasaki Ninja H2R mit rund 400 km/h und bis zu 326 PS die Spitze, während das MTT Turbine Superbike mit 420 PS beim reinen Leistungswert vorn liegt. Und alles, was legal auf der Straße fährt, endet dank des Gentlemen’s Agreement bei 300 km/h. Wer künftig eine Schlagzeile über das „schnellste Motorrad“ liest, kann die Zahl jetzt sofort einordnen – Serie, Sondermodell oder Rekordfahrzeug.
Quellen
- Kawasaki Ninja H2R fährt 400 km/h – Auto Zeitung
- 400 km/h Spitze, 326 PS – Kawasaki Ninja H2R 2022 – 1000PS
- Kawasaki Ninja H2 mit 243 PS – Schnellstes Serienbike – Speedweek
- Suzuki Hayabusa – Wikipedia
- History of the Motorcycle Gentlemen's Agreement – Jalopnik
- Kawasaki Ninja ZX-14R Top Speed – SlashGear
- MTT Turbine Superbike – Wikipedia
- Lightning LS-218 – Wikipedia
- Ack Attack – Motorcycle Land Speed Record – Wikipedia
- Voxan Wattman 2021 – Elektromotorrad-Weltrekord – Motorrad Online
- Guy Martin, Triumph Rocket Streamliner mit 274,2 mph – Digital Trends
- Dodge Tomahawk – Wikipedia